Nun wollen wir wieder zur Erklärung der Dinge zurückkehren, über welche man die Gläubigen in keiner Weise in Unwissenheit lassen darf. Und da nun der Apostel bedeutet, das schwerste Verbrechen werde von denen begangen, „welche den Leib des Herrn nicht unterscheiden“, so sollen die Hirten vor allem lehren, daß Geist und Verstand sich hier mit allem Fleiße von den Sinnen loszusagen habe. Denn wenn die Gläubigen denken wollten, in diesem Sakramente sei nur das enthalten, was man mit den Sinnen wahrnimmt, so müßten sie notwendigerweise der größten Gottlosigkeit anheimfallen, da sie mit den Augen, dem Gefühle, Geruche, Geschmacke nichts anderes als die Gestalt von Brot und Wein wahrnehmend, urteilen würden, es sei bloß Brot und Wein in dem Sakramente.

Man muß also dafür sorgen, daß die Gläubigen den Geist soviel als möglich vom Urteil der Sinne trennen und zur Betrachtung der unermeßlichen Kraft und Macht Gottes sich anregen lassen.

Drei Dinge nämlich sind höchst bewunderns- und staunenswert, von welchen der katholische Glaube ohne jeden Zweifel festhält und bekennt, daß sie in diesem Sakramente durch die Worte der Konsekration gewirkt werden. Das erste ist, daß der wahre Leib Christi des Herrn, eben jener, welcher, geboren aus der Jungfrau, im Himmel zur Rechten des Vaters sitzt, in diesem Sakramente enthalten ist. Das zweite ist, daß darin keine Substanz der Elemente zurückbleibt, obgleich es nichts unseren Sinnen Entgegengesetzteres und Unbegreiflicheres geben zu können scheint. Das dritte, was aus beiden leicht erschlossen wird, obgleich es vorzüglich die Worte der Konsekration ausdrücken, ist, daß die Akzidenzien (Gestalten), die entweder mit den Augen gesehen oder mit andern Sinnen wahrgenommen werden, auf eine wunderbare und unerklärbare Weise, ohne jeden zugrunde liegenden Stoff vorhanden sind. Und man kann zwar alle Akzidenzien des Brotes und Weines sehen, sie haften aber keiner Substanz an, sondern bestehen für sich selbst, da die Substanz des Brotes und Weines in den Leib des Herrn selbst so umgewandelt wird, daß die Substanz von Brot und Wein ganz und gar aufhört zu sein. Aus „Der Römische Katechismus“, 2207